Archiv der Kategorie: Buchhandel

»Revolutionärer Tabubruch«

David Berger rezensiert Die große Verschwulung – und das freundlich
150111 Pirincci
Laut Berger könnten die Schwulen ein lebhaftes Interesse daran haben, ihre Männlichkeit mit Argumenten Pirinccis gegen die dekonstruktiven Angriffe der Gender-Ideologie zu verteidigen. Foto: flickr.com/Andrew Dyer, At The Cutting Edge

Drei Monate nach dem Erscheinen von Akif Pirinçcis Die große Verschwulung erschien heute auf Huffington Post die zweite Rezension des Buches – und zwar von David Berger, jenem habilitierten katholischen Theologen, der bis 2010 Lektor der Päpstlichen Kongregation für die Glaubenslehre, Religionslehrer im Bistum Köln (bis 2011) sowie Mitherausgeber und Schriftleiter der Zeitschrift Theologisches war. Er outete sich 2010 als homosexuell, verlor seine kirchlichen Ämter und trat aus der Kirche aus. Im November 2010 erschien sein stark autobiographischer Bestseller Der heilige Schein, »Revolutionärer Tabubruch« weiterlesen

Die Macht der Sardinen

Der Fall Pirinçci als Kulturbruch

Ein neuerlich furioses Stück zur Causa Pirinçci hat Michael Klonovsky am 2. Dezember auf acta diurna veröffentlicht. Abgesehen davon, dass wir Klonovskys düstere Prognose teilen, wonach der totalitäre (genauer der teutalitäre) Umgang mit diesem Autor einen Kulturbruch darstellt, nach dem man unliebsame Autoren künftig wegen ganz anderer, weitaus harmloserer Entgleisungen lebenslang aus Handel und Bibliotheken wird entfernen dürfen, abgesehen davon merken wir lediglich an, dass durchaus einzelne Buchhändler Pirinçcis politische Bücher bei uns bestellen und dass sie, wenn sie es tun, sie auffallend oft gleich dutzendweise ordern – wofür wir ihnen an dieser Stelle herzlich danken! Michael Klonovsky danken wir für die freundlich gewährte Erlaubnis zur Übernahme seiner präzisen und unbedingt lesenwerten Analyse auf dieses Schaufenster.

 

Mitternächtlicher 2. Dezember 2015

151204 Sardinen
Wo Sardinen sind, ist die „Amoksardine“ nicht weit. Foto: flickr.com/NWY69

Noch einmal ein Wort zu Akif Pirincci, denn sein Fall ist allzu paradigmatisch und wird nach meinem Dafürhalten in der Kulturgeschichte dieser Republik einen Bruch markieren. Ein Kollege fragte neulich, ob es denn nicht übertrieben sei, diesen Autor überhaupt noch zu erwähnen, immerhin habe er lange genug »die Gesellschaft« beleidigt, sich mit voller Absicht ins Abseits gepöbelt, und nun habe er eben die Quittung dafür erhalten. Warum sich darüber aufregen? Der Fall sei erledigt, möge er sehen, wo er bleibt.

In dieser Argumentation, wenn man es denn so bezeichnen will, ist nun wirklich alles schief – aber was wäre das auch für eine Damnatio memoriae, wenn über den Verfemten weiterhin geredet würde? Die Macht der Sardinen weiterlesen

Schlimmer als die Inquisition

»Voraufklärerische Verdammungspraxis«:
Sogar David Berger protestiert gegen den hysterischen Pirinçci-Vertriebsstopp

Mit deutlichen Worten verurteilt der römisch-katholische Theologe und Publizist David Berger auf Telepolis die Auslistung von Pirinçci-Titeln durch den deutschen Buchhandel. Er verschweigt nicht, dass ihm Pirinçci unsympathisch ist, zumal dieser auch ihn, Berger, vor einiger Zeit »unter der Gürtellinie« angegriffen habe. Was Berger »im Hinblick auf die Meinungs- und Pressfreiheit« allerdings »noch tausendmal unerträglicher« findet als die verunglückten Aussagen Pirinçcis, sei Schlimmer als die Inquisition weiterlesen

Vorverurteilt wird nach Anzeigenlage

Bücherlesen unnötig: über die seherischen Fähigkeiten von Börsenblatt, Tagesspiegel und queer.de

151023 BörsenblattDas Börsenblatt hatte in seiner Ausgabe Nr. 42/2015 auf Seite 129 unsere ganzseitige Anzeige zu Akif Pirinçcis Buch Die große Verschwulung und Andreas Lombards Neuerscheinung  Homosexualität gibt es nicht abgedruckt. Die Kombination dieser beiden Ttel hielten wir eigentlich für denkbar ausgewogen. Nach Erscheinen der Anzeige kam uns zu Ohren, dass sie Diskussionen bis hinauf in die Geschäftsleitung ausgelöst, dass man sich aus Gründen der Presse- und Meinungsfreiheit am Ende aber für den Abdruck derselben entschieden habe. Auf der gegenüberliegenden Seite stand eine Eigenanzeige des Börsenblatts, was bereits eine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein mag, Vorverurteilt wird nach Anzeigenlage weiterlesen

Der Wind dreht sich

Wie das Handelsblatt meldet, solidarisiert sich der AfD-Nachwuchs mit Akif Pirinçci, nachdem sein Auftritt bei der Pegida-Kundgebung in Dresden auch amazon dazu veranlasst hatte, seine Werke aus dem Programm zu nehmen. Dem AfD-Nachwuchs passt der Boykott jedenfalls nicht. Als Zeichen der Protestes hat er nun das amazon-Partnerprogramm gekündigt. Julian Flak, Mitglied des Bundesvorstands, bezeichnete diese Maßnahme auf Twitter als »richtigen Schritt«.

Neues aus der Wagenburg

Nachdem die Händler und Großhändler KNV, Libri, Thalia und Umbreit Akif Pirinçcis neues Buch Die große Verschwulung bereits am Mittwoch aus dem Programm geworfen haben, hat heute der schweigende Gigant amazon nachgezogen und den Trend zur Privatzensur noch verstärkt – durch Streichung der beiden anderen Bücher Pirinçcis, die in unserem Hause erschienen sind. Die Wege in den Handel, letztlich zum Käufer, wurden damit fast vollständig abgeschnitten. Der Inhalt des Buches hat bei diesen Bestrafungsmaßnahmen keine Rolle gespielt, man kennt ihn schließlich nicht. Beim totalen Boykott aber wollen freilich so gut wie alle mitmachen. Wir haben keine Neigung, über die Stöckchen zu springen, die man uns stündlich hinhält. Deswegen werden wir alle Bücher Akif Pirinçcis im Programm behalten und selbstverständlich ausliefern.

Wer noch glaubt, dass Internet und digitale Vernetzung die Kommunikation fördern würden, der kennt das Geschäftsgebaren von amazon nicht. Der kennt den Großhändler Libri nicht und der kennt die vielen lieben Kollegen Buchhändler nicht, die sich nicht etwa bei uns über einen unliebsamen Autor und sein ungelesenes und desto unliebsameres neues Buch beschweren, sondern ihn stattdessen nach gemeinster Schülermanier Neues aus der Wagenburg weiterlesen