»Verschwulung« beinahe Unwort des Jahres

Die Süddeutsche Zeitung meldet hier, dass das Wort »Gutmensch« zum Unwort des Jahres 2015 gekürt wurde. Der Begriff wende sich gegen Personen, »die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen«, schreibt die Jury in ihrer BegründungAußerdem werde er »im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff« benutzt sowie von Journalisten zur Pauschalkritik an einem »Konformismus des Guten«. Ferner hat die Jury das Wort »Hausaufgaben« (Platz zwei) im Zusammenhang mit Griechenland gerügt sowie das Wort »Verschwulung«, das auf Platz drei kam.

Hierzu teilt die Jury mit: »Das Wort ›Verschwulung‹ ziert einen Buchtitel des Autors Akif Pirinçci (›Die große Verschwulung‹) und wurde von der Online-Zeitschrift ›MÄNNER‹ und ihren Lesern zum ›Schwulen Unwort 2015‹ gekürt. Die Jury teilt die Ansicht der Zeitschrift und ihrer Leser, dass ein solcher Ausdruck und die damit von Pirinçci gemeinte ›Verweichlichung der Männer‹ und ›trotzige und marktschreierische Vergottung der Sexualität‹ eine explizite Diffamierung Homosexueller darstellt und kritisiert den Ausdruck daher ebenfalls als ein Unwort des Jahres 2015. Auch durch die Analogie zu faschistischen Ausdrücken wie ›Verjudung‹ ist die Bezeichnung kritikwürdig.«

Hätte die Jury allerdings, statt nur in der Zeitschrift Männer zu blättern, auch Pirinçcis Buch gelesen, dann hätte sie merken können, dass der Autor mit »Verschwulung« gerade nicht die Homosexuellen ansprach, sondern die Aufweichung der Geschlechtsunterschiede durch die weltfremde Gender-Ideologie, insbesondere die Verweichlichung des heterosexuellen Mannes. Aber egal, wir danken für die erwiesene Aufmerksamkeit.

Berücksichtigt wurden bei der Auswahl 1.644 Einsendungen mit 669 verschiedenen Vorschlägen, von denen nur 80 den Kriterien der Jury entsprochen haben sollen. Welcher Art diese Kriterien sind, ergibt sich aus folgendem: »Die zehn häufigsten Einsendungen insgesamt, die allerdings nicht sämtlich den Kriterien der Jury entsprechen, waren Lärmpause [165], Willkommenskultur [113], Gutmensch [64], besorgte Bürger [58], Grexit [47], Wir schaffen das! [46], Flüchtlingskrise [42], Wirtschaftsflüchtling [33], Asylgegner/-kritiker/Asylkritik [27] und Griechenlandrettung/ Griechenlandhilfe [27].«

Die Frage, welcher politische Begriff bei einer demokratischen Auswahl Unwort des Jahres gewesen wäre, ist damit beantwortet.