SWR – die Fortsetzung

Wir erinnern uns noch an Herrn Nonte aus Hamm, der eines verkaufsoffenen Sonntags Pirinçci-Bücher schreddern wollte, dann aber, aufgrund des öffentlichen Drucks (weil’s ein wenig zu nazimäßig ausgeschaut hätte) einknickte und die mutige Aktion ebenso mutig abblies – was ihm so viel Ärger bei seinen Anhängern und Unterstützern einbrachte, dass der ihm eine Gegenentschuldigung fürs Absagen abnötigte. Peinlich, aber wahr.

Nun hat »sich« auch der SWR-Redakteur, der »sich« eben noch für die Ausstrahlung des Films Die Tür zu entschuldigen genötigt sah, für eben diese seine Entschuldigung sozusagen gegenentschuldigt, aber so, als ob besagter Vorgang mindestens siebzig  Jahre zurückläge und ihn im Lauf der langen Zeit zu einem tiefgreifenden Denk- und Sinneswandel veranlasst hätte. Der Vorgang war folgender: Auf die fingierte Nachfrage eines Zuschauers (mit Hinweis auf den umfassenden Boykott durch den Buchhandel), wie 3sat dazu käme, einen Film auszustrahlen, der auf einem Buch von Pirinçci beruht, schrieb der zuständige Redakteur (Hervorh. von uns):

Vielen Dank für Ihre Zuschrift zu unserem gestrigen Spielfilm »Die Tür«.

Geplant war dieser Film als Teil einer kleinen Filmreihe zu Ehren des 50. Geburtstags des dänischen Schauspielers Mads Mikkelsen. Zum Zeitpunkt dieser Planung war der Name des Autors des zugrunde liegenden Romans zwar streitbar, aber nicht unhaltbar, deshalb wurde »Die Tür« in die Planung aufgenommen.

Sie haben aber völlig Recht, dass wir nach den inzwischen eingetretenen Entwicklungen und dem völlig berechtigten Boykott seiner Werke von einer Ausstrahlung hätten absehen sollen. Dies ist uns schlicht durchgerutscht, und ich entschuldige mich als Spielfilm-Planer hierfür.

Sie können aber versichert sein, dass der Film als Spielfilmlizenz bereits eingekauft und abgegolten ist, d.h. es entstanden dem Autor durch unsere Ausstrahlung keinerlei finanzielle Vorteile.

Und ich werde auch die Spielfilm-Kollegen der anderen ARD-Sender darauf aufmerksam machen, falls jemandem nicht bewusst ist, dass dieser Film die Adaption eines Werkes von Herrn Pirinçci ist.

Nochmals Entschuldigung und vielen Dank für die kritische Begleitung unseres Programms,
mit freundlichen Grüßen
Dominik Brückner
HA Film & Kultur
Redakteur Spielfilm – Planung für SWR, 3sat, EinsPlus

Der Redakteur gegenentschuldigte sich in dem Augenblick, da der bekannte und ausreichend furchteinflößende Herr Broder nichts weiter tat, als ihn genüsslich zu fragen, ob dieser Text eine Fälschung sei. Der Redakteur wurde also von Herrn Broder wie folgt angeschrieben und dieser sogar  mit einer Antwort bedacht. Wir zitieren Die Achse des Guten:

sehr geehrter herr brückner,

kennen sie die seite von akif pirincci, auf der ein brief zu lesen ist, den sie angeblich geschrieben haben?
http://der-kleine-akif.de/2015/11/21/sehnsucht-nach-dem-judengas/
das kann doch nur eine fälschung sein, oder?

ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie mich aufklären würden.
viele grüße aus Virginia
h.m. broder

Herr Broder bekam daraufhin diese Antwort:

Sehr geehrter Herr Broder,

vielen Dank für Ihre Mail. Die Mail zu dem Spielfilm »Die Tür«, die Sie ansprechen, wurde tatsächlich von mir geschrieben. In der Antwort auf die suggestive Anfrage eines Zuschauers habe ich mich zu persönlichen Aussagen hinreißen lassen, deren Bedeutung und Ausmaß ich nicht überblickt hatte und die ich heute sehr bedauere – nicht nur, weil ich die Folgen in den vergangenen Tagen auf bittere Weise zu spüren bekommen habe. Selbstverständlich hatte ich nie die Absicht, eine Zensur des Films auszuüben, der in 3sat und im Ersten zu sehen war. Dass meine Mail so aufgefasst werden könnte, ist mir jedoch schnell klar geworden. Deshalb ist auch die von mir in der Mail angesprochene Information der anderen Landesrundfunkanstalten nie erfolgt.

Herzliche Grüße,
Dominik Brückner
HA Film & Kultur
Redakteur Spielfilm – Planung für SWR, 3sat, EinsPlus

Das zuständige Verlautbarungs- und Selbstentschuldungsmaschinchen, das wohl Gesinnung hat, aber keine bestimmte, d.h., keine Gesinnung für oder gegen irgendwas, sondern eben einfach nur  Gesinnung, antwortete so, wie wohl die meisten Menschen in diesem Land geantwortet hätten, die mediale Heuchelei in Tateinheit mit öffentlicher Denunziation betreiben. Herr Broder kommentierte:

Lieber Gott, tu mir bitte einen Gefallen: Lass solche Funktionäre im eigenen Saft schmoren und sorge dafür, dass sie bis an das Ende ihrer Tage Verfilmungen von Rosamunde Pilcher und Charlotte Roche betreuen müssen.

Auf Leute, die »Haltung zeigen«, scheint ungefähr so viel Verlass zu sein wie auf Leute, die »Werte leben«, vor allem »westliche«. Wer Haltung bloß zeigt, kann die Folgen dieses Vorzeigens offenbar nicht ertragen. Aber bitte  nicht missverstehen: Wir beklagen uns keineswegs darüber, dass sich die politische Korrektheit als ein Kartenhaus erweist, das bei der ersten unsanften Berührung in sich zusammenfällt … Einen Spaß erlauben wir uns vielleicht trotzdem noch: Herrn Brückner schreiben und ihn hoffnungsvoll fragen, ob seine Gegenentschuldigung eine Fälschung sei.