Kopfschuß in der Schaubühne

Waren mal wieder im Theater, obwohl wir uns geschworen hatten, keines mehr zu betreten, bis Grabbe wieder auf deutschen Bühnen aufgeführt wird. Ließen uns nun doch zu einem Besuch der Schaubühne in Berlin hinreißen. Schwelgten unweigerlich in Erinnerungen: Stein, Strauß, Grüber, Clever, Lampe, Ritter, Diehl, Fitz … Aber Erinnerungen helfen nicht, nein, sie machen alles nur noch schlimmer, wenn man in der »Schauprozessbühne« der Gegenwart sitzt und dort das Stück »Fear« mitansehen muß. Es stammt von Falk Richter, also von einem, der dafür bekannt ist, die dümmsten Stücke deutscher Sprache zu verbrechen. Auf der Bühne wirken zwischen Raserei, Luschentum und Ritalin-Mißbrauch verwahrloste Schüler, die von ihren Lehrern in irgendeiner dem Wahnsinn anheimgefallenen Jugendherberge vergessen worden sind. Was das Inklusionstheater angeht, waren wir immer schon skeptisch. Diese Sonderschüler toben und nölen und nölen und toben und wollen uns dabei die Welt erklären. Und das anhand Richters Text, doch selbst diese ADHS-Monstren sind nicht in der Lage, die dramaturgische Selbstbefleckungs-orgie noch zu vergräßlichen, so schlimm ist das, was der Dramaturg an Botschaft über uns erbricht. „Häßlich hassende Frauen“ werden einem entgegengeschleudert, und gemeint sind Beatrix von Storch, Gabriele Kuby, Birgit Kelle und Hedwig von Beverfoerde. Zombies soll in den Kopf geschossen werden, und wieder sind damit die bereits Genannten angesprochen. Sie tauchen, wie auch Akif Pirinçci, als Pappfiguren auf der Bühne auf (damit ist die ganze Tiefe des Stücks versinnbildlicht) und werden im aggressionsgeilen Rausch zerfetzt. Das ist nicht mal mehr Agit-Blub-Theater, nicht mal eine billige Nummernrevue aus Falschzitaten, das ist nur Dummheit, Ignoranz und Hass von Leuten, die Lebenserfahrung, Schmerz und Empfindung nur als Subventionskulisse auf den Bühnen deutscher Stadttheater kennen. Und so machen sie ihre Gefühls- und Gedankenattrappen in den Mikrowellen des Regietheaters warm, für ein Publikum, dumm und ignorant wie sie selbst, das jeden Dreck frißt, den man ihm vorsetzt. Unsereiner kann, wenn er das Theater nach diesem Stück verläßt, gar nicht soviel fressen, wie er kotzen möchte.

Naturgemäß sind die deutschen Medien an der Einordnung dieses Stückes gescheitert. Es ist nur eine einzige Besprechung erschienen, die der Grausamkeit der Aufführung gerecht wird. Sie wurde verschiedenen überregionalen Zeitungen angeboten, die sie allesamt nicht angenommen haben. Die Kritik wurde nun hier veröffentlicht, wir empfehlen dringend, sie zu lesen.