Neues aus Neorechts

Hallo, Christian Schröder vom Tagesspiegel, heute haben wir zum Frühstück Dein Interview auf Deutschlandradio Kultur gehört. Da ist uns fast das Schwarzbrot aus der Hand gefallen, und unser Frühstücksei köpften wir gleich mit besonderem Elan. Es war aber hartgekocht, anders als Du. Ein bißchen neidisch waren wir auch, schließlich quatschtest Du zu so früher Stunde munter drauf los, während wir froh sind, wenn wir bis zum Abend überhaupt mal den Mund aufgemacht haben. Aber lieber gesprächig wie ’ne deutsche Eiche als so ein Oralgerümpel, denken wir uns.

Wir eingestehen, Schwierigkeiten gehabt zu haben, Dir zu folgen, was freilich nicht mit einer besonderen Gedankentiefe des Gesprächs zu tun hatte. Du, Herr Schröder, faselst was von »neorechts«, »abdriften« und von «rechtem Kampforgan«. Unseretwegen, aber wie kommst Du zu diesen Erkenntnissen, wenn Du doch nie eines unserer Bücher in der Hand hattest, geschweige denn, es lesen und verstehen könntest, wenn Du doch einmal eines erwerben würdest? Schließlich offenbartest Du, Herr Schröder, Deine vertiefte Ahnungslosigkeit, als Du uns am Mittwoch anriefst. Auch da traktiertest Du uns mit angetäuschten Halbheiten und versankst in phonetischen Verzweiflungsstürmen, als wir nach den Quellen Deines Wissens zu graben begannen. Besonders beachtlich war die Schärfe, die Du während des Interviews an den Tag legtest, als man Dich nach den vorherigen Werken Pirinçcis frug. Mühsam transkribierten wir folgendes: »Ähm, … , das war, … , ähm, … , ach, Pardon, ähhh, … «. Gottseidank fand der Moderator Deinen Spickzettel wieder, von dem Du ebenso eloquent abliest wie mancher Pegida-Redner, wenn er zum Dresdener Volke spricht.

Ganz und gar empört aber waren wir, als Du meintest, wir würden auch »harmlose« Werke wie die von Arthur Schopenhauer verlegen. Das war der Gipfel, damit hast Du Dich und Deinen »eklipsierten Geist« (Schopenhauer) wirklich vollends diskreditiert. Wer Schopenhauer für harmlos befindet, glaubt auch, daß der Tagesspiegel ein Qualitätsblatt sei. Aber unter der dortigen halbalphabetisierten Laienschar bist Du, Herr Schröder, auch ein besonderes Juwel. Um mit Schopenhauer zu sprechen (vielleicht kommst Du auf den Geschmack): »Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen gesehen, und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebenalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken«. Oder, auch sehr treffend: »Der große Haufe hat Augen und Ohren, aber nicht viel mehr, zumal blutwenig Urteilskraft und selbst wenig Gedächtnis.«

PS: Als Christenmenschen sind wir mitleidig. Also möchten wir Dich herzlich einladen zu unserem Lesekreis, jeden dritten Montag um 20:00 Uhr im Deutschen Eck in Berlin-Lichtenberg. Da kannst Du was lernen! Wir lesen da nicht nicht nur harmlose Sachen, sondern auch richtig verfemtes Zeug, von Gustav Freytag zum Bespiel. Also, komm einfach mal vorbei.