Herr Nonte will die Bücher schreddern

Stellen wir uns vor, es ist verkaufsoffener Sonntag in Hamm, und alle gehen hin. Was soll man auch sonst machen in Hamm, dieser grauenhaften Stadt. Wir schlendern also durch die Einkaufsstraßen, vorbei an Thalia, in das wir einen kurzen Blick werfen, vielleicht gibt es noch Restposten vom Diddlmaus-Kalender. Nebenbei stecken wir ein Plüschtier ein. Süß! Wir schlendern weiter, allmählich werden wir müde, wir werden hungrig und sind erleichtert, als sich links von uns McDonalds auftut. Wir nehmen zwei Burger, weil da gibt’s die Cola aus Pappe gratis dazu. »Snack Dich satt« lesen wir noch kauend, als wir den Laden verlassen. Gestärkt setzen wir unseren Weg fort, geradezu beschwingt schauen wir auf all die schönen Dinge, die wir niemals haben wollten.

Dann hören wir ein Geräusch, eigentlich grausame Töne, als wenn sich Stahlklingen durch Papier fetzen, aber irgendwie auch voll interessant. Wir folgen ihm und vor uns taucht der Hammer Buchpalast auf. In seinem Eingang wirkt Friedhelm Nonte (58) an einem mechanischen Ungetüm, er springt und hüpft um dieses Ungetüm herum, freudig, erregt, rumpelstilzchengleich. Er wirft, wir erkennen es nicht gleich, Bücher in die Maschine und reibt sich nach jedem zerfetzten Werk die Hände. Es sind Akif Pirinccis Bücher, jede einzelne seiner bisherigen Veröffentlichungen.

Hmm, denken wir, voll lustig, aber auch ein bißchen krass. Und irgendwie erinnern wir uns an was anderes, also, da war doch schon mal sowas, also irgendwann … Nein, wir kommen einfach nicht darauf, wie wir da so ratlos stehen vor Nontes Sportpalast. Nein, doch, »Wer Bücher schreddert, schneidet sich irgendwann in die Finger«, oder so ähnlich. Da wird uns doch mulmig.

Aber die andern um uns herum klatschen total begeistert. Da wollen wir auch gerne mitmachen. Also kommt alle am Sonntag nach Hamm, verkaufsoffen und garantiert gottverlassen. Treffpunkt beim Sportpalast von Herrn Nonte. Die Bücher bekommt Ihr aber nur noch hier. Wird bestimmt nice.

Anmerkung: Herr Nonte hat die Aktion noch am Freitagabend nach zahlreichen Protesten und Beschimpfungen abgesagt. Darüber hinaus entschuldigte er sich »bei allen potentiellen und tatsächlichen Unterstützern« … Wenn das mal reicht!