Es war ganz anders

Wie das Buch Deutschland von Sinnen wirklich entstand

von Verlagsleiter Andreas Lombard

Vorbemerkung: Dieser Text wurde dem Magazin »Der Spiegel«, der Wochenzeitung »Die Zeit« sowie mehreren großen Tageszeitungen zur Veröffentlichung angeboten, die über »Deutschland von Sinnen« irreführend oder tendenziös berichtet oder das Buch rezensiert hatten, ohne auf seinen Inhalt näher einzugehen. Bis heute (17.4.) blieb jede Antwort aus. 

Was die Feuilletons der Republik anläßlich des Erscheinens von Deutschland von Sinnen veranstalten, ist, man muß es so direkt sagen, die reine Show. Daß kaum einer über das Buch schreibt und schon gar nicht über die objektive Lage, auf die es antwortet – geschenkt. Aber was stattdessen so alles spekuliert, theoretisiert, enthüllt, geraunt, geblökt und geunkt wird, das geht auf keine Kuhhaut. Es ist das alte Spiel, dem Thermometer
die Schuld für die angezeigte Temperatur zu geben. Man muß es zerschlagen und zertreten, als ob es dadurch kühler würde. Ja, regt Euch nur auf, schon wieder ein Ernst Jünger-Zitat! Einer Eurer Kollegen hat dieser Tage den Typus des Einzelgängers als Waldgang-Leser enttarnt. Wohin soll das führen? Soll der auf Staatskosten geführte »Kampf gegen Rechts« aus Gründen der politischen Korrektheit bald auch das Individualwandern unterbinden? Ihr nervösen Kollegen von Zeit, Spiegel, Tagesspiegel, taz, Welt und wie sie alle heißen, Ihr tut dieser Tage nichts anderes, als im Stundentakt Kulissen vor die Entstehungsgeschichte eines einzigen Buches zu schieben, auf daß der empörende und allen gut erinnerliche Anlaß dieses Buches mit dem Namen KIRCHWEYHE keinesfalls zur Sprache komme. Damit nicht gesagt werden muß, daß am Anfang dieses Buches nicht etwa der blinde Haß stand (abgesehen vom Haß der damaligen Täter), sondern die Wut eines Türken auf seine Landsleute, die seit einiger Zeit ohne ersichtlichen Grund junge deutsche Männer tottreten, und dann seine Wut auf die Deutschen, die sich dagegen nicht zu wehren wissen, die sich gar nicht wehren wollen und die da, wo sie es etwa doch noch wollen, gar nicht dürfen und sofort unter den Verdacht des Rechtsradikalismus gestellt werden. Hatte nicht auch der Bürgermeister von Kirchweyhe nach der Ermordung des jungen Deutschen durch junge Türken zum »Kampf gegen Rechts« aufgerufen? Hatte nicht Akif Pirinçci ihn deswegen auf der Achse des Guten ein »verkommenes Subjekt« genannt, was der einzige angemessene Kommentar in der gesamten deutschen Presse war?

Hinzu kommt das demografische Problem, das im Großen und Ganzen auf die Pille, auf die massive Förderung der Homosexualität und auf die millionenhafte Abtreibungspraxis über Jahrzehnte hinweg zurückgeht (spättraumatisierte, abgetrieben habende Frauen inklusive). Wer das Leben ohne Kinder immer noch zu anstrengend findet, dem wird künftig die Sterbehilfe angeboten … Autogenozid nennt man das: Millionen Kinder erleben ihre Geburt nicht, während ein paar andere für viel Geld künstlich gezeugt werden müssen. Frauen sollen arbeiten, statt sich um Nachwuchs zu kümmern, und ansonsten wird den europäischen Völkern das Gefühl eingetrichtert, daß sie durch beliebige Zuwanderer aufzufrischen wären oder daß sie aus Altersschwäche ohnedies ersetzt werden müßten. Es ist jedenfalls eine Situation entstanden, in der der »Kampf gegen Rechts« keinem anderen Zweck dient als der Wehrlosmachung des eigenen Volkes. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, und längst hat sich diese Tatsache weit über die Leserkreise von Junger Freiheit, edition antaios, Compact und eigentümlich frei hinaus herumgesprochen. Das ist das Problem, vor dem Ihr die Augen verschließt, das Ihr nicht wahrhaben wollt, das Ihr mit immer heftigeren Abwehrgesten wegzudrücken versucht. Dummerweise hat dieses Problem jetzt auch einer erkannt, vom dem man das nicht erwartet hat, der aber wie viele andere auch, von denen man das ebenfalls nicht erwartet, etwas zu verlieren hat, und zwar ein geborener, assimilierter, erfolgreicher, großstädtischer, anarchischer, moderner, atheistischer, amerikafreundlicher, film- und musikbegeisterter Türke, der über Kardinal Meisner lacht und einen Großteil seiner Zeit auf spotify verbringt oder mit den neuesten DVDs. Er wird unter den Türken nicht lange allein bleiben, er ist es schon  heute nicht.

Als er begriff, was in diesem Land los ist, war er keineswegs NPD-Mitglied, nicht einmal Autor der Jungen Freiheit, der Sezession oder von eigentümlich frei, sondern (die Damen und Herren Feuilletonisten wissen es und sagen es um keinen Preis) – des Internet-Blogs Achse des GutenDort fiel Akif Pirinçci im vergangenen Sommer mit seinem scharfblickenden Essay »Das Schlachten hat begonnen« auf, der landauf, landab nicht Hunderttausende, sondern Millionen von Lesern fand und aufrüttelte. Und wie so oft taten die großen Zeitungen, als ob nichts wäre, derweil ihre Parallelwelt weiter schrumpfte. Kein Lüftchen regte sich in ihren Stübchen, während draußen im Land der Sturm losbrach. Ich erinnere mich an den schönen Bootsausflug der Achse des Guten, rauf und runter die Spree, ebenfalls im vergangenen Sommer, mit Akif Pirinçci als neuem Star-Autor und hinreißendem Auftritt auf der kleinen Schiffsbühne unter Deck, wo er von schönen Frauen und großen Waffen schwärmte. Ich verrate nicht, wer noch alles da war, aber ich verrate, wer nicht da war: Es gab keinen einzigen Vertreter der Jungen Freiheit, von eigentümlich frei oder von der Sezession. Die Achse-Leute inklusive Henryk Broder präsentierten stolz ihre explodierten Leserzahlen und klopften dem kleinen Akif fröhlich auf die Schulter. Die »bösen Buben« waren weit weg, sie wären auch niemals eingeladen worden. Akif Pirinçci würde Sie, liebe Leser, jetzt fragen: »Alles klar soweit?«

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir von Manuscriptum soeben die Idee entwickelt, Pirinçci, ich wiederhole für Schnelleser: den meistgefeierten Achse-Autor des Sommers 2013, um ein Buchmanuskript zu bitten. Pirinçci  wiederum war schon auf der Suche nach einem Verlag, nur hatte seltsamerweise niemand angebissen. Warum sogar der Vertreter eines wirklich potenten Verlages an Bord des Schiffes die Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließ, weiß ich nicht. Pirinçci wünschte lediglich, wie das für einen Autor seines Namens mehr als verständlich ist, einen ordentlichen Vorschuß. Einen Betrag, wie ihn Rowohlt, Fischer, Ullstein, Heyne, List locker hätten zahlen können, aber offenbar nicht wollten, weil ihnen die Sache zu heiß war. Allen war die Sache offenbar zu heiß, allen, die das Geld hatten, nur uns nicht. Es tut uns schrecklich leid, aber als Akif Pirinçci den Entschluß faßte, auf der thematischen Grundlage seiner erfolgreichen Achse-Beiträge sein Buch für uns zu schreiben, da war das Wesentliche längst passiert. Die Ereignisse, die Gedanken, die Thesen, alles war längst da, denn sonst hätten wir es gar nicht bemerken können. Es brauchte nur noch einmal in veränderter Form zu Papier gebracht zu werden.

Das Schreckensszenario einer Strippen ziehenden abgründigen Rechten, das jetzt an die Wand gemalt wird, das gab es einfach nicht. Jetzt soll es davon ablenken, daß das Kind schon so gut wie geboren war, als wir auf den Plan traten, oder in den Brunnen gefallen – je nachdem, wie man die Sache sieht. Das ist die naheliegende und menschliche Version der Geschichte und die wahre obendrein, denn solche Dinge werden nicht von langer Hand vorbereitet und inszeniert, sondern sie passieren einfach. Jedenfalls passieren sie einem kleinen Verlag wie Manuscriptum, der nicht weit im Vorfeld mit Chefredaktionen und Chefeinkäufern seine Dispositionen trifft. Sie passieren dem Autor, der jetzt auch nicht weiß, wie ihm geschieht, und uns, die wir mit einem Erfolg zwar gerechnet hatten, aber bestimmt nicht mit so einem. Den verdanken wir eben nicht den »Rechten«, sondern einem einzelnen, beobachtenden, selber denkenden Schriftsteller und dann den ganz normalen Leuten, die täglich zu Tausenden sein Buch kaufen. Das sind zu 95 Prozent Leute, die wir nicht kennen, unter denen aber der junge, einfache Arbeiter ebenso vertreten ist wie der Professor in den mittleren Jahren und die hochbetagte, köstlich amüsierte Witwe eines bekannten Herrenausstatters, übrigens eine sehr gebildete Leseratte. Ansonsten kennen wir diese Leute nicht und kennt auch die rechte Szene, wie ich vermute, sie zu 95 Prozent nicht. Wie kommt es dann, daß die »anonymen Käufer« dieses Buches, wie der Tagesspiegel die vielen Leute nannte, die jetzt vermummt die Buchläden zu stürmen scheinen, allesamt »rechts« sind?

Spart Euch einfach die Mühe. Hört einfach mal auf, Eure Leser zu Mündeln zu machen. Findet lieber heraus, was sie wirklich interessiert. Dann müßt Ihr auch nicht auf »böse« Thermometer eindreschen, die frecherweise immer noch funktionieren. Übrigens haben wir in der Vergangenheit viele kluge und weniger aufgeregte Bücher gemacht, nur habt Ihr die nicht besprochen. Auch dagegen lügt Ihr an, indem Ihr ein epochal kluges Buch wie Jargon der Weltoffenheit von Frank Böckelmann zu einem »Pamphlet« herabwürdigt. Wer am Erregungsgeschäft teilnehmen will, und das wollt Ihr genauso wie wir, der muß a) etwas aushalten können und b) starken Stoff bereithalten (»stinkenden«, wie der Stern über Deutschland von Sinnen schrieb). Bitteschön, da habt Ihr ihn. Daß Euer Stoff Tag für Tag schlechter geht, wie man Euren Kommentarbereichen ablesen kann, dafür können wir nichts. Wir stoßen nur in die Lücke. Die Masse ist träge, aber sie ist nicht blöd. Soweit ist es gekommen, daß Die Zeit ihre empörten Leser und Pirinçci-Fans fragen muß, was eigentlich los ist draußen im Land, warum sie die gediegene Berichterstattung der strengen Gouvernante vom hohen Elbufer nicht mehr ernst nehmen wollen. Warum sie in Scharen, jawohl, in Scharen Partei für Pirinçci ergreifen. Es dauert nicht mehr lange, dann werden die Zeit-Leser selber eine Zeitung machen und sie den verdutzten Redakteuren zur Fortbildung anempfehlen. Sie sind schon dabei, im Internet. Da machen wir gerne mit, getreu dem Motto der Edition Sonderwege: »Als Querdenker wird von den Mainstream-Medien heute geadelt, wer deren Irrtümer mit noch einmal gesteigerter Inbrunst verficht. Die Edition Sonderwege verlegt Autoren, die erstens eine Meinung (und zwar eine deutlich abweichende) haben, und sie zweitens auch noch formulieren können.«

Das war’s auch schon, mehr ist nicht passiert.