Der Wind aus der anderen Richtung riecht auch nicht besser

Die einen versichern sich selbst ständig, zu den Guten zu gehören, so daß wir uns fragen, vor welchem inwendigen Bösen sie sich eigentlich fürchten. Die anderen sind auch nicht besser. In The European phantasiert der Nebenstundendichter Alexander Wallasch frei über Akif Pirinçci.
Lektüre hat, warum auch, wiedermal nicht stattgefunden. Man schreibt nicht mehr über Bücher, man schreibt über gesellschaftliche Phänomene. Und dazu bedarf es keiner Analyse, es reicht die Geisterschau, die Séance, das Gläserrücken. Alltägliche Praxis der Kopisten, Bierdeckel-Notate. Wie Pirinçci, so geifert Wallasch, kann nur »jemand über Deutschland herziehen […], der keine eigenen Wurzeln in diesem Land hat«. Pirinçci könne auf »keinerlei familiär-deutsche Erfahrung zurückblicken« und somit fehle ihm »einfach dieser Pool an Wissen, Erfahrung und im optimalen Falle womöglich Weisheit«. Pirinçci sei eben »Türke geblieben«, schlimmer noch, ein »Deutschland hassender Rappertürke«. Was den einen der Haustürke ist, ist den anderen der Pöbeltürke. Bei Wallasch selbst liegt die ganze Sache natürlich anders. Er ist »Deutscher« und »schreibt« als solcher »als Sohn, Enkelsohn und Urenkelsohn von Deutschen«. Nicht Pirinçcis, sondern seine »Väter und Vorväter« haben den deutschen »Rechtsstaat erdacht«. Herkunftsnachweise und Stammtafeln verlangen wir von unseren Autoren nicht, wir hielten das bisher für unwichtig. Bei Wallasch hingegen ist das alles, wie man lesen kann, bedeutender Teil einer fulminanten Blut und Hoden-Prosa.