»Irre oder mutig?« − Der kleine Akif in Bild, FAS, Spiegel, Focus, Welt und taz

Akif Pirinçci ist mit Deutschland von Sinnen heute auf drei Seiten in Bild am Sonntag vertreten. Reporterin Anja Hardenberg hat ihn zum zweiten Mal in Bonn besucht und neben vielen interessanten Details aus seiner Biographie Kindheits- und Familienfotos mitgebracht, die wir vom Verlag auch noch nicht kannten: »Akif Pirinçci (54) spaltet die Republik mit seinem Bestseller ›Deutschland von Sinnen‹. Seine Gegner vergleichen ihn mit Hitler. Ist er gefährlich oder genial?«

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreibt Harald Staun mit spitzen Fingern ziemlich welt- und wirklicheitsentleert unter der Überschrift »Sarrazin auf Speed. Der Autor Akif Pirinçci macht sich zum Megafon der schweigenden Mehrheit. Wie kann man ihm nur helfen?« Selbstverständlich ist die Frage nicht ernst gemeint; sowas nennt man wohl Diskurstheorie. Auch Akif Pirinçci hat nicht so recht verstanden, worum es eigentlich geht.

Sehr verärgert scheint Alan Posener von der Welt am Sonntag zu sein. Er stellt die fingierte Beratungsvorlage der Firma »Borderline Autoren-Coaching« vor: »Tabubrechen für Dummies«. Auch hier geht es natürlich nicht um die von Prinçci aufgebrachten Themen und Probleme.

Ansonsten bringt der Focus morgen ein zweiseitiges Interview von Michael Klonovsky, und Elke Schmitter echauffiert sich im Spiegel (Seite 137) über »Hampelmanns Hasspredigt«.  Pirinçci, behauptet sie, profitiere von der Deregulierung der Medien, und »Anfang der achtziger Jahre noch wäre seine kleine Hasspredigt echolos verhallt«. Nein, liebe Frau Schmitter, die Tatsache, daß das Erregungskartell seinerseits von Pirinçci profitiert und sich allein deshalb so gerne von ihm erregen läßt, kann wohl kaum darüber hinwegtäuschen, daß die Verhältnisse Anfang der achtziger Jahre noch nicht ganz so verrückt waren wie heute. Leider übersehen auch Sie, daß Pirinçci nicht etwa in NPD-Manier gegen schwache Minderheiten hetzt (das kann nur glauben, wer sich aber auch von jedem Quietschetönchen angesprochen fühlt − und warum tut man das eigentlich?), sondern gegen deren immer anmaßenderen, öffentlich geförderten Narzißmus, der am Ende sogar Kinder zu einem einerseits massenhaft zu vernichtenden, andererseits künstlich herzustellenden Rohstoff macht, um ohne Rücksicht auf seelische Verluste völlig unrealistische Gleichstellungsphantasien zu befeuern.

Die taz fordert Akif Pirinçci hier auf, »Schluss zu machen, umzukehren und diesen groß angelegten Witz zu beenden«: »Mr. Pirincci: Tear down this joke!«, lautet die Überschrift. Es fehlt nicht an konkreten Vorschlägen, wie der Autor reinen Tisch machen soll: »Bitte sagen Sie jetzt endlich ›April, April‹ und spenden Sie die Gesamteinnahmen des Buches an den Schwulen- und Lesbenverband. Treten Sie in ›Die Partei‹ ein und bewerben sich dort um das Amt des Gleichstellungsbeauftragten. Machen Sie irgendwas, aber bitte nicht so weiter.« − Da loben wir uns doch die Bild am Sonntag, die auf Seite 1 fragt: »Ist Akif Pirinçci irre oder mutig?«